Diezer Doppelmordprozess: Angeklagter streitet Vorwürfe ab

Heute hat der mutmaßliche Doppelmörder von Diez vor dem Koblenzer Landgericht sein Schweigen gebrochen. Er hat eine Version der Ereignisse in den Tagen vor dem vergangenen Weihnachtsfest geliefert, die der der beiden Söhne des getöteten Ehepaares deutlich widerspricht. Der in Berlin lebende Geliebte der später tot gefundenen 41-jährigen Frau war nach eigenen Angaben am 15. Dezember nach Diez gefahren, um der Frau ein Geschenk zu bringen und ihr die frohe Nachricht zu verkünden, dass er bald eine Praxis als Fußpfleger eröffnen würde. Sein Erscheinen habe einen Streit zwischen den Eheleuten ausgelöst, in dessen Verlauf die Frau ihren 59-jährigen Mann unbeabsichtigt die Treppe hinab gestoßen habe. Kurz darauf sei er an den Verletzungen gestorben. Die Frau habe dann ihren Geliebten dazu gedrängt, einen Überfall zu fingieren und die Schuld auf sich zu nehmen. Das habe er gegenüber den 13 und 14 Jahre alten Söhnen getan, im Übrigen aber immer wieder die Forderungen der Frau abgelehnt, sich auch gegenüber der Polizei selbst zu bezichtigen.

Über das folgende Wochenende habe die Frau immer wieder versucht, ihn zur Übernahme der Schuld zu überreden. „Das mache ich nicht. Wir gehen zusammen zur Polizei und sagen, wie es wirklich war“, wiederholte er der Angeklagte heute vor Gericht immer wieder seine angebliche Haltung. Das habe seine Geliebte aber abgelehnt, weil ihr dann ihre Kinder weggenommen würden. Am Sonntagabend habe die Frau ihn schließlich zum Verlassen des Hauses aufgefordert. Vorher habe er noch den Söhnen auf ihr Geheiß je eine Schlaftablette verabreicht sowie eine Limonade, die nach Angaben eines Kindes „bitter“ geschmeckt habe. Auch die Frau habe merkwürdig schnell geschlafen, ihm aber zuvor eine Schenkungserklärung für ihr Auto ausgestellt und einen Fernseher mitgegeben. Sie brauche diese Dinge nicht mehr, habe sie gesagt.

Neben dieser Aussage wurden wissenschaftliche Untersuchungen vorgetragen. Die DNA-Analyse lieferte kaum Ergebnisse. Eindeutiger waren die chemischen Untersuchungen an einer Limonade- und mehreren Bierflaschen. Dort wurde so genanntes „Liquid Extasy“ gefunden, das als euphorisierende, aber auch als „Vergewaltigungsdroge“ im Stil von K.O.-Tropfen wirken kann.

Die Verteidiger bemängelten vor allem die Ermittlungen der Polizei. Ihr Mandant sei nicht ausreichend über seine Rechte belehrt worden und sei nach mehreren Tagen fast ohne Schlaf kaum noch in der Lage gewesen, den Fragen der Polizisten zu folgen. Am Rand kam auch die Frage nach dem Verhältnis zwischen dem Angeklagten und der gleichaltrigen Frau zur Sprache. Von Ende November ist eine E-Mail vorhanden, in der sie ihm ihre Liebe erklärt.

Eine ausführliche Berichterstattung gibt es morgen in der NNP.

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Über vtaktuell

Noch handelt es sich hier um ein Experiment. Dieses Blog soll meine journalistische Arbeit begleiten, in erster Linie mein Wirken auf lokaler Ebene in Westerwald, Taunus und dazwischen. Hier sollen Texte ihren Platz finden, die in anderen Print- und Onlineformaten nicht unterzubringen sind, ebenso ergänzendes Meinungs- und Hintergrund-Material zu meiner sonst eher nachrichtlichen Arbeit. Ich bin auch auf Facebook und bei Twitter vertreten, jeweils unter der Bezeichnung "vtaktuell".
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