Buffo vs. TSG


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Da ich das Vergnügen hatte, in den vergangenen beiden Tagen die Kommunal-Wahlkampfauftakte von CDU und SPD im Landkreis Limburg-Weilburg mit jeweiliger landespolitischer Prominenz zu erleben, möchte ich hier einmal meine ganz subjektiven Eindrücke von Ministerpräsident Volker Bouffier (in Frickhofen) und Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (in Steeden) darstellen. (Die zugehörige Berichterstattung wird sich in den kommenden Tagen sowohl in der NNP als auch im WT finden.)

Vorneweg: Wirklich mitreißende politische Vorstellungen hat keiner gegeben. Es waren solide Wahlkampfreden, aber nichts, was einen vom Hocker gerissen hätte. Das wird man auch nicht unbedingt erwarten können. Immerhin werden die beiden Herren derzeit ziemlich in jedem Landekreis unterwegs sein und ihre Rede aufsagen. Zumindest bei Bouffier weiß ich allerdings, dass er es besser kann. Ich habe ihn vor ein paar Jahren mal als Innenminister auf Wahlkampftour in Bad Camberg erlebt. Das war schon rhetorisch großes Kino. Allerdings konnte er sich da auf das Thema „innere Sicherheit“ konzentrieren, das er in Frickhofen überhaupt nicht angesprochen hat. Vielleicht zeigt es einfach nur, dass ihm das mehr liegt.

Äußerst bemerkenswert fand ich, dass beide einem Thema sehr viel Raum eingeräumt haben, das mit dem Wahlkampf im engeren Sinn nichts zu tun hatte: der zurückgehenden politischen Beteiligung. Das lag ja auch nahe. Schließlich haben beide vor halbleeren Hallen geredet. Allein das ist schon ein bedenkliches Zeichen. Die Lösungsvorschläge haben sich nur in Nuancen unterschieden. Während Bouffier vor allem den Politikern „an den Ohren gezuppelt“ und sie zu mehr Dialog mit den Bürgern aufgefordert hat, stand bei Schäfer-Gümbel die Unterstützung für breit angelegte Initiativen auch außerhalb der SPD im Mittelpunkt. Bouffier hat sich eher auf bestehnde Strukturen konzentriert und vor offeneren Formen (Stichwort „Stuttgart 21“) gewarnt. Schäfer-Gümbel hat natürlich aus sozialdemokratischer Perspektive den Gestaltungsanspruch der Politik gegenüber der Wirtschaft verteidigt. Wenn man von solchen Schwerpunkten einmal absieht, die die jeweilige Weltanschauung nahelegt, waren beide sich in der Problemanalyse des geringen Interesses gerade an der Lokalpolitik einig. Ob ihre Lösungsvorschläge tatsächlich weit tragen werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Natürlich ging es auch um inhaltliche Fragen von den Gemeindefinanzen über Schulen bis zur Volksabstimmung über die „Schuldenbremse“. Hier verfolgte Bouffier die klassische Strategie des Amtsinhabers, der sich staatsmännisch gab, die eigenen Erfolge lobte und nicht groß in den Wahlkampf einstieg. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, hat er die Grünen und die Linkspartei jeweils einmal erwähnt, die SPD überhaupt nicht. Schäfer-Gümbel gab sich, ebenso naheliegenderweise, angriffslustiger und griff als Oppositionsführer vor allem den Umgang der Landesregierung mit den Kommunalfinanzen an.

Soweit meine Eindrücke vom Wahlkampfauftakt. Vielelicht noch ein kleiner Pluspunkt für Thorsten Schäfer-Gümbel: Ich war zuvor mit ihm bei einem Informationsbesuch in der psychiatrischen Klinik in Hadamar unterwegs. Positiv ist mir dabei aufgefallen, dass er intensiv Fragen gestellt und auch zugehört hat. Ich keine einige Politiker aus Landkreis und Kommunen, denen das Zuhören schwerer fällt, obwohl sie eigentlich näher an den Dingen dran sind und interessierter an Details sein sollten. Aber wollen wir Volker Bouffier mal großzügig zuerkennen, dass er genauso mit offenen Ohren und Augen unterwegs gewesen wäre. Ich war eben nur nicht dabei, um es mitzubekommen.

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Über vtaktuell

Noch handelt es sich hier um ein Experiment. Dieses Blog soll meine journalistische Arbeit begleiten, in erster Linie mein Wirken auf lokaler Ebene in Westerwald, Taunus und dazwischen. Hier sollen Texte ihren Platz finden, die in anderen Print- und Onlineformaten nicht unterzubringen sind, ebenso ergänzendes Meinungs- und Hintergrund-Material zu meiner sonst eher nachrichtlichen Arbeit. Ich bin auch auf Facebook und bei Twitter vertreten, jeweils unter der Bezeichnung "vtaktuell".
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