Die Schlechtreder von Hadamar


Flattr this
Nach langen Auseinandersetzungen ist nun erst einmal der Weg frei für das Marktzentrum an der Faulbacher Straße in Hadamar. Das möchte ich zum Anlass nehmen, mich mal mit einem Nebenaspekt der Debatte in den vergangenen Monaten zu befassen: mit denjenigen aus der Hadamarer Stadtpolitik, die die eigene Stadt als Wirtschafts- und vor allem Handelsstandort schlecht reden.

Um es gleich am Anfang deutlich zu schreiben: Natürlich ist Hadamar kein einfaches Umfeld für Handel und Gewerbe. Zusammen mit Elbtal hat die Stadt im weiten Umkreis die geringste Kaufkraft der Einwohner, wie ein Gutachten aus dem vergangenen Jahr verdeutlicht. Natürlich gibt es heftige soziale und Infrastruktur-Probleme. Natürlich sind die Hadamarer Einzelhändler nicht alle immer auf dem höchsten Stand von Service und Kundenfreundlichkeit, wie es vermutlich auch in vielen anderen Kleinstädten ist. Natürlich sind die Zeiten längst vorbei, in denen Menschen aus dem weiten Umkreis zum Einkaufen in die Stadt strömten. Diese Probleme muss man schonungslos benennen, wenn man Lösungen finden will. Deshalb finde ich das Auftreten von Bürgermeister Ruoff öfter mal übertrieben, wenn er Hadamar in den rosarotesten Farben malt. Nun ja, der Mann macht seinen Job. Dazu gehört auch der verbale Trommelwirbel für seine Stadt. Das sei ihm gegönnt, solange er zugleich einen realistischen Blick für die Probleme behält.

Jetzt aber zum Eigentlichen: Trotz aller Schwierigkeiten in Hadamar besteht immer noch ein Unterschied zwischen denjenigen, die sie nicht verschweigen, sondern zu analysieren und zu beheben versuchen, und denjenigen, die anscheinend aus reinem Vergnügen daran die Stadt schlechtreden. Derzeit findet man letztere insbesondere unter den Befürwortern der Marktansiedlung, aber solche Kandidaten gibt es überall in der Stadtpolitik. „Aus Hadamar macht ihr nie wieder eine Einkaufsstadt.“ „Ob die Händler ihre Schaufenster verhängen oder nicht, merkt sowieso keiner.“ „Wohnstadt mit schönen Straßen und ein paar Lebensmittelmärkten.“: So lauteten einige Zitate in den vergangenen Monaten.

Doch was ist an diesen Sprüchen wirklich dran? Wenig, scheint mir. Es mag ja sein, dass sich so mancher schön in diesen Vorurteilen gegenüber der Stadt eingerichtet hat, deren Interessen er vertreten soll. Allerdings sieht es in der Realität in Hadamar so schlecht nun auch wieder nicht aus. Der „Nahkauf“ am Schloss wurde von nicht wenigen Kommunalpolitikern schon tot geredet, bevor er überhaupt geöffnet hatte. Jetzt ist der Supermarkt sogar modernisiert worden. In der Gymnasiumstraße gibt es mit Hämmerer endlich wieder eine Buchhandlung, in dieser guten Sortierung sogar erstmals in Hadamar. Die Eisenwarenhandlung Beer kann von den Preisen her mit jedem Baumarkt locker mithalten. Man muss halt bei speziellen Wünschen auch mal nachfragen. Am Eingang der Borngasse hat das „Dolce Vita“ als modernes Café aufgemacht, das meiner Einschätzung nach top besucht ist. Etwas weiter die Borngasse hinauf, zugegeben eine Problemstraße, sind in den vergangenen Monaten zwei leerstehende Ladenlokale wieder belegt worden.

Natürlich machen hin uns wieder auch Geschäfte zu, aber ganz so düster ist die Entwicklung in Hadamar nun auch wieder nicht. Vielleicht sollten die Schlechtreder einfach mal mit offenen Augen durch die Stadt gehen.

Bleibt noch mein liebstes „Ceterum censeo“: Einzelhändler leben davon, dass Leute bei ihnen einkaufen. Wenn alle, die schlau über Chancen und Probleme des Gewerbestandorts Hadamar reden, ab und zu mal in den Geschäften der Innenstadt einkaufen würden, wäre schon viel geholfen; vermutlich mehr als alle klugen Konzepte und Förderungsoffensiven der Politik erreichen können. Und wenn es dann wirklich einmal das Schuhgeschäft mit der größeren Auswahl oder spezielle Unterhaltungselektronik sein soll, dann dürfen sie auch in Gottes Namen mal nach Elz oder Limburg einkaufen gehen.

Advertisements

Über vtaktuell

Noch handelt es sich hier um ein Experiment. Dieses Blog soll meine journalistische Arbeit begleiten, in erster Linie mein Wirken auf lokaler Ebene in Westerwald, Taunus und dazwischen. Hier sollen Texte ihren Platz finden, die in anderen Print- und Onlineformaten nicht unterzubringen sind, ebenso ergänzendes Meinungs- und Hintergrund-Material zu meiner sonst eher nachrichtlichen Arbeit. Ich bin auch auf Facebook und bei Twitter vertreten, jeweils unter der Bezeichnung "vtaktuell".
Dieser Beitrag wurde unter Hadamar, Kommunalpolitik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s