Und sie wandelt sich doch


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Ich bin gerade zurück von der Abschlussversammlung zur Pilotphase von „Bereitschaft zur Bewegung“ im Priesterseminar Limburg. Wenn man es stark zusammenfasst, verbergen sich dahinter eine Reihe von „Feldversuchen“, in denen das Bistum Limburg damit experimentiert hat, Strukturen und Angebote zu entwickeln, mit denen die Arbeit der katholischen Kirche unter den Bedingungen der gegenwärtigen Gesellschaft besser oder überhaupt noch funktionieren soll. Etwas detaillierter gibt die Internetseite des Projekts Auskunft darüber. Ich versuche einmal, die zentralen Ergebnisse zusammenzufassen.

Für Bischof Tebartz-van Elst scheint die verstärkte Hinwendung zum Glauben den Kern aller Bemühungen darzustellen. Da ich in Sachen Theologie und persönlicher Frömmigkeit kein allzu großes Licht bin und dieser Anspruch auch schwierig in konkreten organisatorischen Veränderungen zu fassen ist, lasse ich das einfach mal so stehen.

Die Strukturen der Kirche werden sich verändern. Einerseits wird es wegen des Priestermangels und der zurückgehenden Zahl der aktiven Gemeindemitglieder noch größere Zuständigkeitsbereiche für einen oder mehrere im Verbund zusammenarbeitende Pfarrer geben; auch die Zahl der Pfarrbüros wird zurückgehen. Andererseits soll den Menschen am Ort ein dichteres Netz von Ansprechpartnern, zum Teil auch mit ganz speziell zugeschnittenen Arbeitsschwerpunkten, geboten werden. In dieser Funktion wird dafür ausgebildeten ehrenamtlich arbeitenden Laien eine große Rolle zukommen. „Kleine christliche Gemeinschaften“ lautet das Schlagwort für diese Struktur. Wie und mit welchen Angeboten dies im Detail verwirklicht werden soll, wird ganz entscheidend von den Verhältnissen am jeweiligen Ort abhängen. Die Gemeindestrukturen können sich über das Bistum hinweg sehr stark voneinander unterscheiden.

Um Mitwirkende und Multiplikatoren für diese neuen Formen auszubilden, wird zum Jahresende 2011 das so genannte „Bischof-Blum-Kolleg“ seine Arbeit aufnehmen.

Da der Glaube heute nicht mehr so selbstständig „vererbt“ werde wie früher, sollen verstärkt Menschen durch alle Lebensphasen hinweg zu Zielen missionarischer Bemühungen werden, um ihnen einen Weg (zurück) zum Glauben zu eröffnen.

Die Detail-Ergebnisse aus „Bereitschaft zur Bewegung“ sollen in den kommenden Monaten auf verschiedenen Ebenen der Kirche, darunter synodalen Gremien, Ordinariat und Caritas, diskutiert werden, um danach auf das gesamte Bistum angewendet zu werden.

Zum Abschluss vielleicht noch ein paar persönliche Eindrücke, die ich heute Mittag hatte: Was dort zu hören war, macht einen äußerst strukturprogressiven Eindruck. Vor allem das Konzept der „kleinen christlichen Gemeinschaft“ halte ich für sehr interessant, weil es das Potenzial hat, eine große Vielfalt der Formen des gelebten Glaubens hervorzubringen und die Bedeutung der Laien zu stärken. Ich persönlich fände es wünschenswert, wenn dies dazu führen sollte, dass der Katholizismus im Bistum auch inhaltlich und in seinem Verhältnis zur Welt eine größere Bandbreite abdecken kann, ohne dass es zu Kämpfen um die „reine Lehre“ kommt. Um es mal konkret zu skizzieren: Konservative Katholiken mögen in einer solchen kleinen Gemeinschaft ihre lateinische Messe feiern können, ebenso wie liberalere sich in einer anderen weiter der Ökumene (ein Wort, das bedauerlicherweise in keiner Rede des heutigen Nachmittags gefallen ist) öffnen könnten. Die kleinteiligeren Strukturen geben diese Chance der bunteren Kirche her. Ob sie zur Realität wird, hängt tatsächlich davon ab, ob sich Menschen (insbesondere Laien) finden, die die damit verbundene Arbeit stemmen, und davon, ob die Bistumsspitze sie auch inhaltlich relativ frei arbeiten lässt.

Positiv überrascht war ich heute davon, dass auch offen angesprochen wurde, dass es in der Pilotphase an vielen Ecken und Kanten nicht funktioniert hat. Hoffentlich werden diese Probleme und auch die Versuche, die sich bewährt haben, nun im BO tatsächlich neutral und ergebnisoffen diskutiert, um später die bestmöglichen Lösungen zu finden.

Nicht so gut fand ich, dass die Veranstaltung heut doch sehr abstrakt blieb. Mir haben Beispiele dazu gefehlt, wie die propagierte Bewegung konkret in den einzelnen Pilotprojekten umgesetzt wurde. Auch hätte meiner Meinung nach ein Meinungsaustausch zwischen den schätzungsweise 200 anwesenden Mitwirkenden stattfinden müssen. Da lief viel zu viel „Frontalunterricht“ ab.

Ungefragt wird es erhebliche Aufruhr und Widerstände geben, wenn die neuen Strukturen im Bistum umgesetzt werden. Es bleibt also spannend in Dioecesis Limburgensis.

Update, 20.50 Uhr: Auch die Kollegen von der Pressestelle des Bistums waren emsig und haben einen offiziellen Bericht vom Abschluss ins Netz gestellt, bei dem auch der Gottesdienst abgehandelt wird, bei dem ich nicht dabei war. Meine ausführliche Berichterstattung gibt es übrigens demnächst i9n der Kirchenzeitung „Sonntag“.

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Über vtaktuell

Noch handelt es sich hier um ein Experiment. Dieses Blog soll meine journalistische Arbeit begleiten, in erster Linie mein Wirken auf lokaler Ebene in Westerwald, Taunus und dazwischen. Hier sollen Texte ihren Platz finden, die in anderen Print- und Onlineformaten nicht unterzubringen sind, ebenso ergänzendes Meinungs- und Hintergrund-Material zu meiner sonst eher nachrichtlichen Arbeit. Ich bin auch auf Facebook und bei Twitter vertreten, jeweils unter der Bezeichnung "vtaktuell".
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