Die Krippen nicht vergessen


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Wie der Hadamarer Bürgermeister heute im NNP-Artikel über das Hadamarer Krippenmuseum zitiert wird, irritiert mich doch ein wenig. Von einem „Museumsufer“ ist da die Rede, für das erst ein Gesamtkonzept her müsse. Das erscheint mir doch ein wenig großspurig und unfair gegenüber der Krippensammlung.

Die Realität sieht so aus: Es gibt ein Stadtmuseum, das durchaus eine Menge zu bieten hat, aber einmal eine eine gründliche Modernisierung in der Präsentation der Dauerausstellung und öfter auch mal Wechselausstellungen aus seinem Archiv gebrauchen könnte, um Leute anzuziehen, die das Standardprogramm des Museums bereits kennen. Dann gibt es angeblich fertig eingerichtete Räume der alten Fürstenwohnung, in die das Glasmuseum einziehen soll, das jetzt schon seit 30 Jahren nur mühsam vorankommt. Anders als viele Politiker in Hadamar halte ich dessen Eröffnung keineswegs für greifbar nahe. Jetzt soll erst mal das Kultusministerium eine Trägergesellschaft ausarbeiten, dann sollen Fachleute ein Konzept entwickeln, schließlich müssen Sponsoren gefunden werden und dann, irgendwann, soll das Museum öffnen. Ich glaube nicht daran, dass das noch in diesem Jahr geschehen wird. Außerdem frage ich mich, welches großartige Konzept ein Museums-Fachmann noch erarbeiten soll. Angeblich ist das Glasmuseum doch fast fertig und muss nur noch eingeräumt werden. Natürlich braucht man für den Dauerbetrieb jemanden, der sich mit Museen auskennt. Allerdings warne ich davor, dass zwischen der einstellung dieser Kraft und der Eröffnung noch eine großartige Konzeptionierungsphase eingeschoben wird.

Und dann ist da noch die Krippensammlung, die in das Haus Nattermann einziehen soll. Noch vor Jahresfrist war nicht zuletzt Bürgermeister Ruoff voll des Jubels über die Bedeutung und die touristische Attraktivität der Krippen. Das Haus Nattermann wurde für viel Steuergeld gekauft und dann konnten sich die Stadtpolitiker nicht einig werden, wie genau der Ausbau stattfinden sollte. Jetzt auf einmal sind die Krippen anscheinend weniger wichtig als das Glasmuseum oder irgendein ominöses Gesamtkonzept. Dabei könnte man jetzt doch mit frischem Schwung an das Krippenmuseum herangehen. Schließlich hat die Stadt ihre Arbeit für das Glasmuseum erst mal getan. Sie muss nun nur noch darauf pochen, dass das Kultusministerium auch wie versprochen die Trägerorganisation konzipiert. Da könnte sich die Stadt jetzt doch ihrem ureigenen Projekt Haus Nattermann für das Krippenmuseum zuwenden und dort mit der Sanierung beginnen. Das Haus muss doch auf jeden Fall wiederhergestellt werden. Da ist es vollkommen egal, ob und welches „Gesamtkonzept“ erarbeitet werden soll.

Allerdings bekomme ich den Eindruck, dass das Warten auf ein angebliches Museums-Gesamtkonzept nur ein vorgeschobenes Argument ist. Weil sich die städtischen Politiker immer noch zu schwer tun, eine Entscheidung zum Haus Nattermann zu treffen, kommt es jetzt ganz gelegen, dass angeblich das Glasmuseum erst mal zum weiteren Abwarten zwingt. Damit begibt Hadamar sich in die Gefahr, dass Pfarrer Lippert sich verärgert einen anderen Platz für seine Krippen sucht. Ob das oder der Verzicht auf das Glasmuseum der größere Verlust wäre, da bin ich mir nicht sicher. Der Besucherandrang bei den Krippen spricht jedenfalls eine deutliche Sprache. Da muss sich das Glasmuseum in der überschaubaren Fürstenwohnung erst mal ordentlich anstrengen, um das zu erreichen. Auch ob Glas oder Krippen nun künstlerisch hochwertiger sind, ist in erster Linie Geschmackssache. Beide haben jedenfalls ihre Berechtigung. Natürlich erscheint auch die Forderung von pfarrer Lippert ein wenig „üppig“, im Idealfall 400 Quadratmeter mit Ausstellung und Lagerfläche zu belegen. Wenn es tatsächlich endlich vorangehen würde mit dem Museum, dann würde er sich vermutlich aber auch mit etwas weniger Platz bescheiden.

Fazit: Mit dem Krippenmuseum muss es endlich vorangehen. Zumindest mit der Vorbereitung des Hauses Nattermann. Das angebliche Gesamtkonzept mit einem Glasmuseum, für das ebenfalls noch kein Eröffnungstermin feststeht, kann erst einmal hintenan stehen.

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Über vtaktuell

Noch handelt es sich hier um ein Experiment. Dieses Blog soll meine journalistische Arbeit begleiten, in erster Linie mein Wirken auf lokaler Ebene in Westerwald, Taunus und dazwischen. Hier sollen Texte ihren Platz finden, die in anderen Print- und Onlineformaten nicht unterzubringen sind, ebenso ergänzendes Meinungs- und Hintergrund-Material zu meiner sonst eher nachrichtlichen Arbeit. Ich bin auch auf Facebook und bei Twitter vertreten, jeweils unter der Bezeichnung "vtaktuell".
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2 Antworten zu Die Krippen nicht vergessen

  1. Volker Danisch schreibt:

    Der Amtsschimmel wiehert auch in Hadamar! Warum auch nicht? Es ist in Deutschland das immer gleiche Problem mit Museen: Jede Stadt möchte sie aus Prestige- und Marketinggründen haben, aber niemand will die Kosten übernehmen. Und jeder Poliziker möchte irgendwannmal behaupten können, dass er an der Genehmigung „nicht unerheblich“ beteiligt war, um es sich auf die Fahne schreiben zu können, wenn es klappt, aber keiner möchte in den sauren Apfel beisen und die anlaufenden Kosten mit seinem Namen in Verbindung gebracht bekommen. Image ist alles! Und je länger ein Verfahren dauert, um so leichter kann man sich am Ende rausreden, wenn das Ergebnis nicht mehr imageträchtig sein sollte…
    Letztlich bleibt die Option ein Museum selbst auf die Beine zu stellen und damit seiner Stadt einen Arschtritt zu verpassen mit den Mitteln, wie man seinen Obrigen jede Macht aus der Hand nimmt: durch Eigeninitiative, Organisationstalent, Interessensgemeinschaften, Spenden und – meines Wissens nach möglich – einer Querfinanzierung durch EU-Gelder. Ich drücke den Hadamarer Bürgern die Daumen!

  2. Pingback: Haus Nattermann: Reine Erhaltungssanierung | vtaktuell

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